

Die Gemeindewerke Villmergen (GWV) erhielten den Auftrag, die Übernahme und den Ausbau eines bestehenden Wärmeverbunds zu entwickeln. Weil sie noch keine Erfahrung mit dem Betrieb eines Verbunds dieser Grösse hatten, suchten sie einen unabhängigen Partner mit der nötigen Expertise. Ein wichtiges Kriterium war, dass dessen Fachleute eine umfassende Wirtschaftlichkeitsanalyse des geplanten Wärmeverbunds vornehmen können. Der Verbund soll selbsttragend sein, sodass keine Quersubventionierung durch die Steuerzahlenden nötig ist. Bei der Suche nach dem passenden Partner nahmen die GWV unter anderem mit ewz Kontakt auf. Der Energiedienstleister arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Stromversorgung mit den GWV zusammen. Diese wussten daher, dass ewz auch bei der Entwicklung und dem Betrieb neuer Wärmeverbunde in der ganzen Schweiz über viel Know-how verfügt. Die Gespräche verliefen positiv und die zwei Unternehmen konnten sich nach einer gemeinsam erstellten Machbarkeitsstudie rasch einigen.

Die Zusammenarbeit von GWV und ewz folgt nicht der herkömmlichen Aufteilung in Auftraggeber und Auftragnehmer, sondern basiert auf einem Kooperationsmodell. Dieses sieht vor, dass Planung, Umsetzung und Betrieb gemeinsam erfolgen, wobei sich jeder Partner dort einbringt, wo seine Stärken liegen. Aufgrund seiner grossen Erfahrung übernimmt ewz die Planung und den Betrieb der Energiezentrale. Das Gebäude selbst mietet ewz von den GWV, finanziert und realisiert jedoch eigenständig die technische Infrastruktur für die Wärmeerzeugung.
Den beiden Partnern war wichtig, die Einwohner*innen aktiv einzubinden. Sie haben deshalb bereits im Sommer 2022 Informationsveranstaltungen durchgeführt, bei denen das Projekt im Detail vorgestellt wurde und die Teilnehmenden Fragen stellen und Feedback geben konnten. Anschliessend wurde an zwei Gemeindeversammlungen technisch und finanziell über das Projekt befunden und letztlich grünes Licht für die Umsetzung gegeben. Nach der Detailplanung und der Baugesuchsphase erfolgte im April 2025 der Spatenstich für die erste Bauetappe. Die offizielle Inbetriebnahme wurde auf April 2026 festgelegt.
Die erzeugte Wärme verkauft ewz an die GWV, die mit ihrer Erfahrung im Tiefbau und der lokalen Verankerung für den Ausbau und den Betrieb des Wärmenetzes sowie für die Akquise und die Betreuung der Endkund*innen zuständig ist. Diese Leistungen könnte ewz auch selbst erbringen, aber Erfahrungen aus ähnlichen Projekten zeigen, dass ein vor Ort bekannter Partner die Akzeptanz bei der Bevölkerung erhöht. Häufig lassen sich Fernwärmeprojekte dadurch einfacher und schneller umsetzen. Die Gemeindewerke wiederum profitieren von der Kooperation, weil ihre Mitarbeitenden wertvolle Erfahrungen sammeln und Know-how im Bereich der Wärmeversorgung aufbauen können.

Die Aufgaben und die Schnittstellen sind vertraglich festgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die beiden Unternehmen isoliert voneinander agieren. Vielmehr tauschen sich die Projektteams regelmässig aus und erledigen gewisse Aufgaben gemeinsam. Dazu zählt beispielsweise die Information der Bevölkerung: Bei diesen Anlässen engagieren sich stets Vertreter*innen beider Firmen.
Die Planung für den Ausbau des Wärmeverbunds gingen GWV und ewz gemeinsam an. Dabei wurde zuerst abgeklärt, welche ergänzenden Energiequellen vor Ort zur Verfügung stehen, um ein grösseres Verbundsgebiet versorgen zu können. Zwar schied Grundwasser als Energiequelle aus, weil es am Standort zu wenig ergiebig ist, doch mit einer grösseren Holzschnitzelfeuerung liess sich eine passende Alternative finden. Diese Lösung ist für die Gemeinde auch finanziell attraktiv, weil sie dabei Holz des eigenen Forstbetriebs einsetzen kann. In einem weiteren Schritt klärte man, welche Gebäudeeigentümer*innen Interesse hatten, ihre Liegenschaften anzuschliessen, und konnte auf Basis der Rückmeldungen den passenden Perimeter für den erweiterten Wärmeverbund definieren. Die Machbarkeitsanalyse zeigte, dass ein Ausbau des Wärmenetzes wirtschaftlich und technisch umsetzbar war.
Die Dimensionierung der Wärmeerzeugung ist auf den Ausbau des Netzes abgestimmt. In der ersten Phase werden zwei Schulhäuser mit Turnhalle, acht Mehrfamilienhäuser mit insgesamt rund 60 Wohnungen sowie je drei Einfamilienhäuser und Gewerbeliegenschaften an den Wärmeverbund angeschlossen. Dafür wurde in der Energiezentrale ein kleiner Holzheizkessel installiert. Er wird voraussichtlich in fünf Jahren, wenn der Wärmebedarf aufgrund des Anschlusses weiterer Liegenschaften und gemeindeeigener Schulbauten höher ist, durch einen leistungsstärkeren Kessel ergänzt. Dieser etappierte Ausbau der Wärmeerzeugung stellt sicher, dass nur dann Investitionen getätigt werden, wenn ein entsprechender Energieabsatz gesichert ist.
Die Energiezentrale umfasst einige innovative technische Lösungen. Dazu zählt beispielsweise das Holzschnitzellager. Üblicherweise werden die Holzschnitzel in einem unterirdischen Schnitzelbunker gelagert, was aber in Villmergen wegen des Grundwasserstands nicht möglich war. Stattdessen werden die Schnitzel in eine ebenerdige Halle angeliefert. Damit die Schnitzel für den Weitertransport zum Heizkessel nicht immer wieder manuell nach hinten gestossen werden müssen, wählte ewz eine automatisierte Alternative. Sie kombiniert einen von oben agierenden Rechen – ein sogenanntes Toploader-System – mit einem kurzen Schubboden und einem Querförderer. Dies stellt sicher, dass keine alten Schnitzel liegenbleiben. Der Aufwand für die Lagerbewirtschaftung reduziert sich deutlich und der Heizkessel wird zuverlässig beliefert.
Der Kessel selbst verfügt über eine Verbrennungsluft-Vorerwärmung. Dazu nimmt die einströmende Frischluft Wärme von den heissen Abgasen aus der Verbrennung auf. Diese Erwärmung erlaubt es, den Kessel bei Teillastbetrieb im Sommer mit einer kleineren Leistung laufen zu lassen, wodurch er konstanter und mit weniger Belastung für die Umwelt betrieben werden kann.

Die Abgase aus dem Verbrennungsprozess werden durch moderne Filter zurückgehalten. Zum System gehört etwa ein E-Filter, der Feinstaub automatisch elektrostatisch abscheidet. Dadurch kann eine hohe Luftqualität gewährleistet werden. Im März 2026 wurde der kleine Holzheizkessel in der Energiezentrale sowie der erste Strang des Wärmeverbunds in Betrieb genommen. Der reguläre Betrieb wurde auf April 2026 terminiert.
© Foto Headerbild: Gemeindewerke Villmergen




