Hunziker Areal: das Erste, das Beste, das Innovativste

«Ich liebe meinen Job», sagt Andrea Wieland und strahlt. Die Geschäftsführerin von «mehr als wohnen», eine der wohl innovativsten Wohnbaugenossenschaften der Schweiz, erzählt: «2016 erhielt unser erstes Projekt, das Hunziker Areal, gleich den World Habitat Award der Vereinten Nationen», damit meint sie den bedeutendsten Preis der Welt für nachhaltiges Wohnen. In der Laudatio war die Rede vom «ambitioniertesten Wohnprojekt Europas».

So viele Superlative klingen suspekt, aber Tatsache ist: Die 13 Wohn- und Gewerbehäuser in Zürich Leutschenbach sind eine Meisterleistung in Sachen Pioniergeist. So geht 1 Prozent der Mieteinnahmen in die Förderung von Innovation – die junge Genossenschaft leistet sich eine Forschungsstelle und arbeitet eng mit Hochschulen wie der ETH und der ZHAW zusammen. 

«Ohne die Zusammenarbeit mit ewz wäre das Hunziker Areal nie möglich gewesen.»

ewz.solarsplit: weder die Verwaltung noch die Bewohnerinnen und Bewohner müssen etwas tun

Eines der Forschungsprojekte von «mehr als wohnen» lief in Kooperation mit dem Bundesamt für Energie und lemonconsult. Dabei wurde das Hunziker Areal als 2000-Watt-Leuchtturmprojekt untersucht. «Das Ziel war zu zeigen, wie die nachhaltige Energiezukunft aussieht», so Andrea Wieland. Auf allen Dächern sind Photovoltaikanlagen installiert, welche die 370 Wohnungen, in denen rund 1250 Menschen leben, mit Strom versorgen. ewz entwickelte hier zusammen mit «mehr als wohnen» die erste Solarsplit-Anlage der Schweiz. Heute sind über 7000 Wohnungen an solche Eigenverbrauchsmodelle angeschlossen und ewz ist Marktführer. «Wir haben in den vergangenen Jahren unheimlich viel gelernt», sagt Patrick Greber, ewz Key Account Manager Geschäftskunden und verantwortlich für das Hunziker Areal. «Heute können wir Eigenverbrauchsgemeinschaften anbieten für kleinere Mehrfamilienhäuser oder Überbauungen mit mehr als 1000 Wohnungen, für fünf Quadratmeter grosse Solarpanels oder 5000.»

Und wie funktioniert’s? «Die Smart Meter Technologie ermöglicht die dynamische Zuteilung des Solarstroms in Echtzeit», so Patrick Greber. Verrechnet wird der exakte Verbrauch der Wohnungen, ein Mix aus selber produziertem und extern bezogenem Strom. «Weder die Verwaltung noch die Bewohnerinnen und Bewohner müssen etwas tun», so Greber, «wir erledigen alles.»

Auf dem Hunziker Areal werden 92 Prozent des eigenen Stroms selber verbraucht, die restlichen 8 Prozent werden ins Netz zurückgespeist und verkauft. «Dank diesem Modell», sagt Geschäftsführerin Andrea Wieland, «lässt sich die Investition schnell amortisieren und auch die Mieterinnen und Mieter profitieren, denn der selber hergestellte Solarstrom ist für sie billiger als der eingekaufte.»

2000-Watt-Gesellschaft: ohne Verlust an Lebensqualität, ohne zusätzliche Kosten

Das Hunziker Areal erreicht Minergie P Eco Standard und ist als eines der ersten Areale schweizweit 2000-Watt-zertifiziert. Zum Bauen wurde unter anderem rezyklierter Beton verwendet, aber auch Holz und Einsteinmauerwerk. Geheizt wird mit der Abwärme aus einem nahegelegenen Rechenzentrum der Stadt Zürich und mit einer Wärmepumpe – beides ebenfalls ewz-Lösungen. In dem autoarmen Areal wurde auf eine grosse Tiefgarage verzichtet. «Das reduziert die Baukosten, was allen zu Gute kommt», wie Andrea Wieland erklärt. Dafür gibt es eine Mobilitätsstation mit verschiedenen E-Bikes und Anhängern, aber auch Car-Sharing.

Und die nächsten Entwicklungen sind bereits geplant oder zumindest angedacht: «Die lokale Energiespeicherung beschäftigt uns sehr», sagt Andrea Wieland, «idealerweise könnte man den im Sommer produzierten Strom im Winter nutzen». Ein weiteres Thema ist der verbesserte Betrieb der smarten Heizanlage. Bereits heute ist das Areal mit vielen Sensoren ausgestattet, aber «je genauer wir den Energiebedarf antizipieren können, desto weniger Energie brauchen wir, um die gewünschte Temperatur zu erreichen.»

Trotz vielen Innovationen kostet eine 4.5-Zimmerwohnung weniger als 2000 Franken netto, «und die Mieten werden über die Zeit sinken, je stärker das Areal amortisiert ist», sagt Andrea Wieland. Aber auch ganz neue Wohnungstypologien werden im Hunziker Areal gelebt, etwa 13.5-Zimmer-Clusterwohnungen, Gross-WGs oder soziale Wohnformen, wo Studierende ihre älteren Mitbewohner/-innen unterstützen und im Gegenzug nur eine stark reduzierte Miete bezahlen.


Das Hunziker Areal zeigt eindrücklich, dass eine 2000-Watt-Gesellschaft mit hoher Lebensqualität möglich ist. «Ohne die Zusammenarbeit mit ewz wäre das in dieser Weise nicht möglich gewesen», sagt Andrea Wieland und blickt nach vorne. «mehr als wohnen» plant bereits das zweite Areal in Winterthur, «dabei profitieren wir vom erworbenen Know-how.»

Weiterführende Informationen zum Hunziker Areal finden Sie hier.

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