

Das Energiekonzept für die Arena mit ihren 31’500 m² Nutzfläche wurde von ewz nach den Zielen der 2’000-Watt-Gesellschaft entwickelt. Die integrierte Energielösung vereint Ökologie und Wirtschaftlichkeit, indem ein durchdachtes Gebäudetechniksystem Synergien zwischen Kälte-, Wärme- und Stromproduktion nutzt.
Das 170 Meter lange Stadion in Zürich Altstetten hat einiges zu bieten. Blickfang ist die einzigartige Sichtbetonfassade, die wie ein drapierter Vorhang aussieht und vom Baumeister an Ort und Stelle fabriziert wurde. Das war nicht nur eine handwerkliche Meisterleistung, sondern auch aus ökologischer Sicht äusserst vorteilhaft, da lange Transportwege entfielen und die Wertschöpfung im Inland blieb.
Doch nicht nur bei der Fassade wurde Nachhaltigkeit grossgeschrieben. Ausgehend von den Zielen der 2’000-Watt-Gesellschaft entwickelte ewz das Energiekonzept für die Swiss Life Arena. Die integrierte Energielösung vereint Ökologie und Wirtschaftlichkeit, indem sie geschickt Synergien zwischen Kälteproduktion und der daraus entstehenden Abwärme nutzt.
Doch nicht allein die komplexe Gebäudetechnik in der Swiss Life Arena ermöglicht eine hohe Energieeffizienz. Die Architekt*innen haben bereits den Baukörper so konzipiert, dass er sowohl im Bau wie im Betrieb möglichst wenig Ressourcen verbraucht. Zusammen mit dem ausgeklügelten Gebäudetechniksystem erreicht die Swiss Life Arena den Minergie-Standard. Damit wurden ihre herausragenden Eigenschaften in Energieeffizienz, im Komfort und im Klimaschutz ausgezeichnet.
Das Zertifikat würdigt das kontinuierliche Engagement der Eigentümerschaft und Betreiberin für umweltfreundliche Praktiken und innovative Energielösungen. Effiziente Gebäudetechnologien, erneuerbare Energiequellen und eine hohe Aufenthaltsqualität für Sportler*innen und Gäste sind Kernpunkte des nachhaltigen Ansatzes.
Das Herzstück der Arena sind die beiden zentral angeordneten Eisfelder. Das Trainings- und das Hauptspielfeld bilden auch den Kern des Energiekonzepts. Die Schaltstelle für die Kälte- und Wärmeproduktion ist die Energiezentrale. Hier wird die Kälte für das Eis und die Klimakälte für die Entfeuchtung der Raumluft im Stadion produziert. Als Kältemittel für das Hauptfeld kommt umweltfreundliches Ammoniak zum Einsatz, was eine sehr hohe Qualität der Eisoberfläche ermöglicht. Durch die Register des Trainingsfelds fliesst ein Wasser-Glykol-Gemisch.
Kälte wird auch für die Entfeuchtung der Räume und die Raumklimatisierung benötigt. In Eishallen stellt Feuchtigkeit stets ein Problem dar, da sich bei einem Spiel das Stadion innert kurzer Zeit mit zahlreichen Zuschauer*innen füllt, die viel Wärme abgeben. Mithilfe von Kälte wird die feuchte Luft bis zum Taupunkt gekühlt, die Feuchtigkeit gesammelt und abgeführt und anschliessend die trockene Luft wieder erwärmt. Dieser Prozess erfolgt bedarfsorientiert und wird über Sensoren gesteuert. Die Nebenräume wie Restaurant, Konferenz- oder Physioräume werden mit einer thermischen Bauteilaktivierung klimatisiert. Ein in die Wände und Decken eingelassenes Rohrleitungssystem aktiviert die Gebäudemasse und kann dadurch diese Räume auf sanfte und zugfreie Art und Weise temperieren.

Wo Kälte produziert wird, entsteht auch Wärme – ein willkommener Nebeneffekt. In der Arena verwenden wir die Abwärme aus der Eisproduktion für die Heizung. Eine Wärmepumpe bereitet das Warmwasser auf. Ein Niedertemperaturnetz bringt Wärme in die Bodenheizung. Über das Hochtemperaturnetz stellen wir das Brauchwarmwasser und das Wasser zur Eisaufbereitung bereit.
Der Anschluss der Swiss Life Arena ans Anergienetz des Energieverbunds Altstetten und Höngg ermöglicht ein verlustfreies Energiemanagement. Als primäre Wärmequellen nutzt der Energieverbund das gereinigte Abwasser sowie die Abwärme der Klärschlammverbrennungsanlage des Klärwerks Werdhölzli. Entsteht überschüssige Wärme aus der Kälteproduktion in der Swiss Life Arena, wird der vor Ort nicht benötigte Teil ebenfalls ins Anergienetz des Verbunds eingespeist. Die Kältemaschinen in der Swiss Life Arena erzeugen zudem auch Kälte für umliegende Bürogebäude. Dieser «Kälte-Hub» für Dritte ist angesichts des wachsenden Kältebedarfs und der Nutzung von Synergien über die bestehende Infrastruktur eine weitere, sinnvolle Lösung.
Durch die Verknüpfung von Anergie- und Fernkältenetz entstehen zahlreiche Synergien in der Versorgung des Stadions und der umliegenden Gebiete mit ökologischer Wärme und Kälte.
Seit der Inbetriebnahme ist ewz für den energieeffizienten Betrieb der Anlagen verantwortlich. Durch ein Fernüberwachungssystem können wir bei Bedarf schnell ins System eingreifen und Störungen beheben. Einen wichtigen Beitrag leistet auch ein integrales Gebäudeautomations-system, das eine bedarfsorientierte Steuerung der Anlagen gewährleistet und für einen effizienten Betrieb sorgt. Für ewz bestand eine der grossen Herausforderungen in der Koordination und der optimalen Abstimmung der verschiedenen Gebäudetechnikkomponenten sowie in der Einbindung der Arena in den Energieverbund Altstetten und Höngg.
Der Strom, der in der Swiss Life Arena verbraucht wird, ist zu 100 Prozent CO₂-frei. Dieser stammt aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Wasser. Zudem ist auf dem Dach eine Photovoltaikanlage mit 440 kWp installiert, die je nach Sonneneinstrahlung jährlich rund 400 MWh Strom produziert. Der gesamte Solarstrom wird für die Energieerzeugungsanlage, unter anderem für die Wärmepumpen, sowie für den Betrieb der Swiss Life Arena verbraucht. Jede Viertelstunde wird die Stromproduktion über Zähler erfasst und zwischen den beiden Bezügern ZSC Stadion (Betrieb Stadion) und ewz (Betrieb Energiezentrale) im Verhältnis des aktuellen Bedarfs aufgeteilt.

Die Versorgung der Arena und der ewz-Energiezentrale erfolgt in Mittelspannung ab dem Verteilnetz von ewz. Darüber hinaus hat ewz mit der ZSC Immobilien AG einen Contracting-Vertrag abgeschlossen, der den Bau, den Betrieb und die Finanzierung der Hochspannungsbezüger-Anlage für die Arena abdeckt. Die Trafostation ist über einen Mittelspannungsring des ewz-Unterwerks integriert, versorgt die hinterschaltete Mittelspannungsanlage der Energiezentrale und beinhaltet die Energiemessung, die Transformation auf die kundenseitigen Niederspannungsanlagen sowie die Anbindung an die ewz-Leitstelle. Dadurch wird eine Zustandsänderung oder eine Störung rund um die Uhr erfasst. Im Notfall greift der ewz-Bereitschaftsdienst ein.


